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  - Wilhelm Haverkamp - Lebenslauf
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    Wilhelm Haverkamp - Lebenslauf


    Haverkamp und der Historismus

    Der Stilepoche des Historismus (1871-1914), zu der Wilhelm Haverkamp gerechnet werden kann, wird charakterisiert durch die Aufbruchstimmung der industriellen Gründerzeit und der Reichsgründung 1871. Die geistig-philosophischen und künstlerischen Ausdrucksformen versuchten ein Gegengewicht zur Umbruchstimmung zu setzen, indem man sich auf die klassischen Ausdrucksformen besann. So spricht man in der Bau- und bildenden Kunst von Neuromanik, Neugotik, Neurenaissance und Neubarock, die im Historismus aufgehen.
    Diese Stilrichtung ist bis in die 60er Jahre hinein negativ beurteilt worden. So wundert es nicht, dass Biographien oder Werklisten dieser Künstler häufig fehlen. Hinzu kommt, dass der II.Weltkrieg Archivmaterial und Kunstwerke dieser Epoche teilweise vernichtet hat. Über den Bildhauer Wilhelm Haverkamp sind m. W. nur vereinzelt Artikel in Monatsschriften und in regionalen Zeitungen erschienen. Diese spärliche Dokumentation über einen wichtigen, aber fast vergessenen Vertreter dieser Stilrichtung war Anlass genug, die wenigen erreichbaren Fakten in dem nachfolgenden Aufsatz zusammen zu tragen.


    Kindheit in Senden und Capelle (1864-1877)

    Wilhelm Haverkamp wurde am 4. März 18641 in Senden/Westf. in einem kleinen Häuschen im ehemaligen Klapperhagen, zwischen heutiger Münster- und Eintrachtstraße, als ältestes seiner 11 Brüder und einer Schwester geboren.2 Er wuchs mit seiner Mutter Anna, geborene Ferlmann, dann in der Münsterstraße (heute Giebelhäuser vor der Dümmer-Brücke) in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater Hermann, ein Holzschuhmacher und Bauer, musste als Soldat in Böhmen dienen. Die Not war groß, so dass die Großeltern mütterlicherseits den erst zweijährigen Jungen zu sich nach Capelle nahmen. Der Großvater Wilhelm Ferlmann war Lehrer und Organist. Heinrich Herold schrieb 1927 aufgrund handschriftlicher Notizen, die ihm Haverkamp überlassen hatte: "Großmutter saß abends am Spinnrad; beide Großeltern sangen dann gemeinsam liebe Volkslieder in trauter Harmonie beim schnurrenden Rädchen. Mein Großvater, der Bilder, Bücher und Blumen sehr liebte und das kleine Wohnzimmer gänzlich mit Kupferstichen, Stahlstichen, Lithographien und Öldrucken geschmückt hatte, verstand es, Blumen in Aquarell zu malen und in Wachs Figürchen zu kneten."3

    Die damalig hierarchisch strukturierte ländliche Gesellschaft im Münsterland war tief religiös und die Bildungs- und Kulturpolitik wurde von der katholischen Kirche stark beeinflusst. Das geistige und kulturelle Zentrum der Region war der ´Bischof von Münster`. Das mehrheitlich protestantische Preußen - zudem die Provinz Westfalen seit 1815 endgültig gehörte, versuchte u.a. durch die Regierung und das Königshaus der Hohenzollern mit Hilfe einer großzügigen Kirchbaupolitik die Bevölkerung für sich zu gewinnen. Als einprägsamstes Beispiel sei hier nur die Vollendung des Kölner Doms 1888 erwähnt.
    Es war zukunftsweisend für den kleinen Wilhelm und bezeichnend für den Großvater, dass er seinem Enkel ein drehbares Tabernakel mit Kruzifix, Kelch, Monstranz und Leuchter baute. "Meine ersten Kunstäußerungen vor dem Schuleintritt bestanden darin, Buchstaben, Blumen und Männchen zu zeichnen und aus weichem Mergelstein allerlei Figuren zu schnitzen und zu schaben. Meineh! watt kann dat Jünsken prempeln, sagten die Dörfler"4. Neben den künstlerischen Anregungen durch seinen Großvater, haben ihn aber besonders die Skulpturen aus der griechischen Mythologie im Park und die Gobelins, Malereien und Rüstungen im Schloss Nordkirchen5 bei zahlreichen Besuchen beeindruckt.
    Trotz der Heimkehr des Vaters aus Böhmen, war das Leben des jungen Haverkamps sehr ärmlich. Dies wird durch die Schilderung des jährlichen Ferienaufenthalts bei seinen Eltern deutlich. Es war selbstverständlich, dass der ca. 25 km lange Weg von Capelle nach Senden zu Fuß zurückgelegt wurde. Er erinnert sich an einen Rückweg mit seinem Vater: "Nachts um 3 Uhr gingen wir dort durch die stille, geheimnisvolle, sternfunkelnde Nacht. In Nordkirchen hörten wir um 6 Uhr die hl. Messe und um 8 Uhr waren wir in Capelle". Durch seine vielen Fußmärsche kannte der kleine Wilhelm jedes Kreuz am Wegesrand und die darauf zu lesenden biblischen Sprüche auswendig. "In die Schule ging ich nicht gern; ich trieb mich lieber in der Dorfschmiede herum und durchtobte mit den Dorfjungen die Ichterloher Wälder"6.
    Haverkamp spricht später von einer glücklichen Jugend bei seinen Großeltern, unter deren Anleitung er schon früh begann, u.a. die Geschichten und Märchen der Gebrüder Grimm zu lesen.


    "Lehrjahre in Münster (1877-1883)

    Die Pädagogen Schlattmann aus Senden und Schulrat Wallbaum aus Lüdinghausen erkannten schon früh die künstlerische Begabung von Haverkamp7. Seine erste künstlerische Ausbildung genoss er als 13-jähriger Junge bei den Bildhauern August Schmiemann und anschließend bei Heinrich Fleige in Münster. Beide Bildhauer haben Werke in Münster hinterlassen, die heute noch zu sehen sind. So u.a. das Kiepenkerl- (Spiekerhof) sowie das Landois-Standbild (Himmelreichallee) von A. Schmiemann oder den Moses im Rathausgiebel und die Pietá in der Lambertikirche von H. Fleige8. Haverkamp bemerkte später: "Lehrjahre sind keine Herrenjahre!" Tagsüber sägen, hobeln, verleimen der Holzblöcke. Abends bis in die Nacht: Besuch der Zeichenschule der münsterschen Kunstgenossenschaft9, Anatomie und allgemeine Weiterbildung. Das Abzeichnen von Porträtreliefs, sowie das Anfertigen von Gipsformen bildeten die Grundlage für die Beherrschung der bildhauerischen Technik, die ihn später auszeichnen sollte. Als normaler Lehrling blieb er vom Spott der Gesellen, dem Reinemachen der Werkstatt, dem Heizen der Koksöfen, dem Abladen der Steine und den Besorgungsgängen für die Frau Meisterin nicht verschont. Er war so ärmlich bei der Barbierswitwe "Tante Jenne" für "Kost und Logis" untergebracht, dass er des Nachts durch die Ritzen im Dach Mond und Sterne am Himmel sehen konnte. Im Winter lagen nicht selten die Schneeflocken auf seiner Bettdecke. Auch Stiefel und Schuhe musste er für alle Hausbewohner putzen, berichtet Heinrich Herold. Haverkamp kam mit seiner Ausbildung schnell voran. Bereits 1879 war er Gehilfe bei Meister Schmiemann. Ein Besuch der Kunst- und Gewerbeausstellung 1879 in Düsseldorf machte ihm jedoch deutlich, wie viel er noch lernen musste.


    Studienjahre in Berlin (1883-1889)

    Er bat Meister Schmiemann, ihm bei der Erlangung eines Stipendiums für die Kunstakademie in Berlin zu helfen. Dies gelang ihm mit seiner "Rotkäppchengruppe"10, einer Szene des gleichnamigen Märchens der Gebrüder Grimm, wofür er 1883 den 1.Preis und ein Stipendium in Höhe von 400 RM jährlich der Stadt Münster erhielt11. Hinzu kam eine Unterstützung des späteren Senatspräsidenten Lohaus aus Münster12 So konnte er 1883 ein Studium an der Kunstakademie in Berlin aufnehmen.
    Voraussetzung war jedoch ein sechswöchiger Lehrgang mit einer Zulassungsprüfung in Berlin. Es schien, als sollte sein finanzieller Engpass das Vorhaben bereits im Keim ersticken lassen. Er fasste sich jedoch ein Herz und eine Aussprache mit Direktor Anton von Werner hatte Erfolg. "Jemand, der fähig sei, das aus eigener Erfindung frei zu schaffen, sei selbstverständlich … in die Akademie aufzunehmen", sagte der Direktor nach Inaugenscheinnahme einer Fotografie der Rotkäppchengruppe13. Haverkamp studierte nun u.a. bei den Professoren Albert Wolff (1814-92) und Fritz Schaper (1841-1919). Bei Letzterem war er in den Jahren 1888/89 Atelierschüler14. Mit dem Preisgeld eines gewonnenen Wettbewerbs finanzierte er 1885 seine erste Auslandsreise nach Brüssel und Antwerpen. In Antwerpen sah er u.a. das Original der "Kreuzabnahme" von Peter Paul Rubens, dessen Miniatur er bereits im Wohnzimmer des Großvaters in Capelle bestaunt hatte.


    Studium in Rom (1889-1892)

    Sein Traum in künstlerischer Hinsicht war jedoch ein Studienaufenthalt in Rom. Er beteiligte sich am "Großen Staatspreis", der diesen Traum verwirklichen sollte. Sein bei Fritz Schaper in Arbeit befindlicher lebensgroßer "Siegfried", war leider noch nicht fertig, und so reichte er sein Relief "Hermes führt dem Charon die Seelen der Verstorbenen zu" ein. Als Direktor Werner die Nr. 5 als Sieger ausrief, war sein Traum in Erfüllung gegangen. Der hoch angesehene Altmeister Adolf von Menzel hatte wohl mit seinem Votum in der Jury den Ausschlag für diese Platzierung, die mit 6.000 RM und einem zweijährigen Romaufenthalt dotiert war, gegeben15.
    Die Reise mit seinem holsteinischen Bildhauerkollegen und Freund Lund führte die Beiden im Herbst 1889 über Köln, Aachen, Paris, Zürich, Genua und Mailand bis in die ewige Stadt. Sie lernten die bildende Kunst und die großen Maler der vergangenen Epochen kennen. Kopien einzelner Werke waren aus der Sammlung seines Großvaters bereits bekannt. Seine Ankunft in Rom schildert Haverkamp so: "Die Dämmerung zog herauf, als wir vom Monte Pincio zum ersten Male die Stadt, den St. Peter mit dem Vatikan sahen. Wie sich die wunderbaren Linien der Kuppel Michelangelos vor dem glutroten Abendhimmel als Silhouette abhoben, wie sie gewaltig zum Himmel strebte, alles ringsum beherrschend, das war das eigenartige Bild, das in meiner Seele nicht verblassen wird. Ich nahm es als ein Willkomm des Himmels und des Geistes Michelangelos, und staunend sah ich langsam Kuppel und Abendrot verschwinden im Grau der Nacht"16.
    Der aus Münster stammende Kaufmann Wilhelm Hüffer, der in Rom lebte, förderte Haverkamp und vermittelte ihm zwei Audienzen bei Papst Leo XIII., dessen stille Gebete besonders ergreifend auf Haverkamp gewirkt haben. Nicht zuletzt diese Begegnungen und sein zu tiefst religiöses Denken, haben in seinem künstlerischen Leben einen Schwerpunkt in der sakralen Kunst bewirkt. Während seines zweijährigen Aufenthalts machte Haverkamp weitere Studienreisen nach Neapel, Pompeji, Capri, Salerno, Palermo und Friscati. Auf einem Ausflugsfoto in Friscati bei Rom im März 1891 sind neben ihm, der Oberstabsarzt Ulrich, Prof. Werner, die Bildhauer Katsch und Streicher, die Maler Röder und Guillery, sowie der Architekt Hoffman abgebildet.17 Dies lässt darauf schließen, dass er in Rom in einer deutschen Künstlerkolonie verkehrte. Wenn man heute seine vielen sakralen Werke betrachtet, so ist der künstlerische Einfluss seines Italienaufenthaltes z.B. bei der Pietá in Senden und den Apostelgestalten in Berlin, Apolda und Wiesbaden unverkennbar.
    Hüffer beauftragte Haverkamp mit der "Knabengruppe auf korinthischem Kapitel" für die Eingangshalle seines fürstlichen Palazzos18 und versuchte ihn in Rom ansässig zu machen. Haverkamp lehnte jedoch ab und reiste im März 1892 über München19 zurück nach Berlin.


    Heirat und Familie

    Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Rom heiratete er am 26.4.1892 Margaretha Ferlmann-Bringelmann in St. Laurentius zu Senden, die Adoptivtochter seines nach Cincinnati /USA ausgewanderten Onkels Joh. Bernhard Bringelmann.20 Sie wurden dann in Berlin-Friedenau Eltern von Wilhelmine, Otto und Helmut. Seine Tochter heiratete später den Sendener Otto Schüers. Die Söhne lebten bis zum Tode ihres Vaters (1929) mit ihm in häuslicher Gemeinschaft. Nach dem Tode Wilhelm Haverkamps wurde das Haus in der Schwalbachstraße verkauft. Otto Haverkamp arbeitete als Bankkaufmann. Der jüngere Sohn Helmut, wie sein Vater musisch und religiös tief verwurzelt, wollte ursprünglich Priester werden. Nach einem Semester Theologie wechselte er zur Musik und verdiente dann seinen Lebensunterhalt mit Klavier- und Akkordeonunterricht.21


    Haverkamps künstlerisches Schaffen

    Wie schon erwähnt, war Haverkamp religiös tief verwurzelt. Auch das politische Vorhaben Preußens, die divergierenden Kleinstaaten im Deutschen Reich zu einen, beeinflusste ihn. Somit liegt seine künstlerische Schaffenskraft zum einen in der Ausschmückung und äußeren Gestaltung von evangelischen und katholischen Kirchen. Zum anderen schuf er eine Vielzahl von Denkmalen, die die Fürsten, Feldherren und Wirtschaftsbarone darstellten.
    Bevor er zum Studium nach Rom ging, war er bereits "Atelierschüler" seines Professors Fritz Schaper. Er war also Meisterschüler in der Werkstatt einer der angesehensten Bildhauer seiner Zeit. Er wurde mit der selbstständigen Ausführung der von Schaper angenommenen Aufträge betraut und machte durch diese Zusammenarbeit nicht nur Fortschritte in seinem künstlerischen Ausdruck, sondern er bekam auch Einblick in die Strukturen der Kunst schaffenden und fördernden Gesellschaft, die ihm später sehr zu Gute kam. Hier seien die Kirchbauarchitekten, Kirchbaufördervereine und nicht zu letzt das Kaiserhaus genannt.
    Als Künstler im Atelier Schaper konnte er sich messen mit den damaligen Größen der bildenden Kunst Reinhold Begas, Max Baumbach und Adoph von Menzel. Auch gegenüber der am Horizont aufleuchtenden Stilrichtung des Jugendstils zeigte er sich aufgeschlossen, so dass man behaupten kann, dass er künstlerisch in allen damaligen Stilrichtungen zu Hause war.


    Erste Erfolge

    Zurück in Berlin trat Haverkamp wieder in die Dienste seines Lehrers Prof. Fritz Schaper. Dieser war gerade mit der künstlerischen Ausgestaltung der Lutherkirche in Berlin-Friedenau, Dennewitzplatz, beauftragt worden. Einen Teil dieses Auftrags führte Wilhelm Haverkamp in eigener Verantwortung aus. Durch die Referenzen Fritz Schapers erhielt Wilhelm Haverkamp in kurzer Zeit viele Aufträge, die ihm halfen, in die Phalanx der führenden Bildhauer aufzusteigen. Hier sind besonders das "Bismarckdenkmal" in Plauen(1896), die Begutachtung des Entwurfs des "Großen Kurfürsten" in Minden (1900)22 und die Ausgestaltung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (1901) hervor zu heben.

    Die Auftraggeber in der Gründerzeit waren einmal die Kirchbaufördervereine und wie schon erwähnt das Kaiserhaus. Allein in Berlin hat der "Berliner Kirchenbauverein" 45 Kirchen in Auftrag gegeben.
    Bei der Ausgestaltung der Lutherkirche arbeitete Haverkamp zum ersten Mal mit dem führenden Kirchenbauarchitekten Prof. Johannes Otzen (1839-1911) zusammen.
    Der in Sieseby an der Schlei geborene Johannes Otzen war ein herausragender Architekt. Er war Professor an der neu gegründeten Technischen Universität in Charlottenburg und Präsident der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. Er hat u.a. Richtlinien für den evangelischen Kirchbau als Predigerkirche (Wiesbadener Programm) erarbeitet, den Bebauungsplan für den neuen Stadtteil Berlin-Friedenau erstellt und insgesamt 22 Kirchen gebaut.23
    Diese Zusammenarbeit entwickelte sich sehr erfolgreich24 und währte viele Jahre. Für die Fassade der Lutherkirche gestaltete Haverkamp zwei Reliefs "Luther vor dem Reichstag zu Worms" und "Kurfürst Joachim II. bei Einnahme des Abendmahls" sowie Medaillons der Reformatoren "Jan Hus" und "John Wyclif" aus Terrakotta. Auch an der Lutherkirche in Spandau25 finden wir das Lutherrelief. Durch diese Reliefs fand die künstlerische Handschrift Haverkamps wegen der Frische und Schärfe und ihrer dekorativen Wirkung an den Backsteinkirchen die Anerkennung der Kritik. Als weitere Beispiele der Zusammenarbeit mit J. Otzen sind die Ausgestaltungen der Lutherkirche in Apolda (1892), der Ringkirche in Wiesbaden (1894), der im II.Weltkrieg zerstörten Georgenkirche am Alexanderplatz (1895) und der Altar für die Evangelische Hauptkirche in Rheydt (1902) zu nennen.
    Eine 1898 geschaffene Monumentalgruppe "Handwerker mit Sohn" aus selbst ausgesuchtem Marmor vom Ortlermassiv in Südtirol, erregte Aufsehen. Die Darstellung eines sitzenden Schmieds mit Sohn, der energisch nach dem Hammer des Vaters greift, um die Fortsetzung der Arbeitstradition zu symbolisieren, gilt als das einzige "Arbeiterdenkmal" aus wilhelminischer Zeit in Deutschland. Üblich waren zur damaligen Zeit eher Denkmale für Fürsten und Feldherren.26


    Im Auftrag des Kaisers

    Seine künstlerischen Erfolge und der Gewinn weiterer Wettbewerbe machte das Kaiserpaar auf ihn aufmerksam. Ausschlaggebend hierfür war das von Haverkamp gestaltete Denkmal des "Großen Kurfürsten" in Minden27. Der Mindener Magistrat erteilte diesen Auftrag "in dankbarer Rückerinnerung an die 250jährige Angehörigkeit unserer Stadt zum Hohenzollernstaat…"28 Während eines überraschenden Besuchs in seinem damaligen Berliner Atelier in der Goerresstraße 1629, regte Kaiser Wilhelm II. einige Änderungen an. So sollte der hellgraue Kösseine-Granit-Sockel reichhaltiger verziert werden30. Die vergoldete Inschrift auf dem Sockel lautet: DER GROßE KURFÜRST 1648 / 24. OKTOBER 1898 / GEDENKE DASS DU EIN DEUTSCHER BIST / FÜR GOTT UND FÜR DAS VOLK.31 Nach mehreren Umsetzungen steht das Denkmal heute wieder am alten Platz und die Inschrift lautet nun: GEDENKE DASS DU EIN DEUTSCHER BIST und darunter kleiner DER GROßE KURFÜRST. Den Guss führte die Firma Lauchhammer im April 1901 aus und den Sockel fertigte die Firma Wölfel & Herold in Bayreuth an.
    Nach seinem Besuch genehmigte der Kaiser den Auftrag am 2.8.189932 und beauftragte gleichzeitig Haverkamp mit einem Zweitguss des Denkmals für die "Kieler Woche". Letzteres wurde am 20. Juni 1901 unter dem Donner der Geschütze der anwesenden Flotte im Beisein des Kaisers vor der Marineakademie eingeweiht. "Ich musste in den Kreis treten; das Kaiserpaar begrüßte mich mit Handreichen und umschritt mit mir das Denkmal. Im weiten Kreise ringsum die leuchtenden Uniformen und farbigen Toiletten der Damen. Der Kaiser drückte mir ein Etui in die Hand und bemerkte: ,Haverkamp, hier haben Sie etwas für ihr Knopfloch!´ Im Parademarsch bei schmetternder Musik zog das stolze Bataillon von Kiautschau vorüber. Ich dachte an meinen guten seligen Großvater, der sich wohl noch mehr gefreut haben dürfte als ich. Aber es war auch für mich schön und erhebend und die anschließende "Kieler Woche" bot mir viel des Neuen im kühnen Wettsegeln auf bewegter See"33. Die fast gleichzeitige Einweihung des Denkmals in Minden am 18.6.1901 unter Anwesenheit des Kronprinzen Wilhelm sollte ursprünglich in Anwesenheit des Kaisers stattfinden. Das Zurückstehen hinter Kiel führte in Minden, die ja die Initiative für ein Denkmal des Gr. Kurfürsten ergriffen hatten, zu einer gewissen Enttäuschung.34
    Haverkamps Eltern weilten damals in Friedenau, und seine Erfolge machten sie stolz. Auch seine Frau strahlte vor Glück.35 "Es war ein schönes, sonniges Jahr", notierte Wilhelm Haverkamp.
    Der Kaiser schätzte Haverkamp wegen seiner bodenständigen, natürlichen Darstellung sehr. Bei einem weiteren Besuch in seinem Atelier begrüßten den Kaiser Haverkamps ältesten Kinder Otto und Wilhelmine (Mine) mit Rosen. Der Kaiser strich ihnen durchs Haar und meinte zur Tochter. "Ein echtes Westfalenkind"36. Ein Beweis für die Anerkennung sind die kaiserlichen Aufträge der Medaillen zur Einweihung des "Kaiser-Friedrich-Museums", heute Bode-Museum, (1904) die künstlerische Ausgestaltung der Schnelldampfer "Kaiser Wilhelm II" und "Deutschland" (1902), ein Krupp-Denkmal für Kiel (1903) und eine Marmorherme Friedrich des Großen für das Schloss in Küstrin (1903). Letzteres gefiel dem Kaiser so sehr, dass er ein Zweitexemplar für sein Wohnzimmer und eine Porzellanminiatur für seinen Schreibtisch bestellte. Der kaiserliche Auftrag, eine Jagdszene für den "Großen Stern" im Tiergarten (1904)37 zu konzipieren, bereitete Haverkamp Kopfzerbrechen. Haverkamp wollte ursprünglich eine Elchjagd darstellen, doch der Kaiser bestand auf einer Fuchsjagd. Auch hier musste er sich dem Willen des Auftraggebers beugen, indem er statt der Darstellung eines sich aufbäumenden, ein "ausgepumptes", erschöpftes Pferd,38 modellieren musste. An der Gesamtkonzeption waren ab Februar 1903 noch die in jener Zeit berühmten Bildhauer Fritz Schaper, Reinold Begas und Max Baumbach beteiligt. Im Berliner Tageblatt vom 2.2.1903 steht zu lesen: "Der Kaiser befahl die Bildhauer am gestrigen Sonntage zu sich, empfing sie im Fahnensaal des Schlosses, übergab ihnen persönlich die Aufträge und besprach mit ihnen 3/4 Stunden hindurch die Angelegenheit"39.
    Doch "die Einweihungsfeier 1904 gestaltete sich zu einem prächtigen Jägerfeste am Großen Stern, das durch Festessen im Schlosse und Aufführung des "Freischütz" seinen Abschluss fand"40, erinnert sich der Künstler. 1938 wurde dieses Arrangement, bestehend aus vier Kunstwerken, durch die Verlegung der Siegessäule vom Reichstag zum "Großen Stern" verdrängt und ist nun an der Fasanerie Allee im Tiergarten zu sehen.
    1914 vollendete er seinen "Kaiser Wilhelm II.", das Denkmal seines Gönners, für die Schiffbautechnische Gesellschaft in Mürwyk/Flensburg.41


    Künstlerische Selbstverwirklichung

    Diese Auftragsarbeiten befriedigten den Künstler Haverkamp nicht wirklich. Er musste sich bezüglich des künstlerischen Ausdrucks den diversen Auftraggebern, "die alles besser wissen und verstehen wollen", zu häufig beugen. Er musste Kompromisse eingehen, wobei sein künstlerisches Gewissen nicht selten mit der Ausführung in Widerstreit geriet. Aus diesem niederdrückenden Gefühl entstand 1906 eine freie Komposition, die einen kraftstrotzenden und einen geschmeidigen Mann im Wettkampf darstellte. "Wer wird siegen, der Mann mit der Körperkraft oder der minderstarke, aber der gewandtere? "Ich suchte mich zu befreien von all dem elenden Kram, der mich bedrückte und seit Jahren quälte", erinnerte sich Haverkamp. Er wurde für die "Ringkämpfer" mit der "Großen goldenen Medaille"42, der höchsten Kunstauszeichnung der preußischen Akademie der Künste geehrt. Sein Ethos: "Schöner ist es, wenn man eine ehrenvolle Arbeit durch eigenes Können als durch Protektion erwirbt"43, hat er hiermit verwirklicht. "Der Künstler hat mit diesen beiden Gestalten… denn auch so etwas wie eine Krönung seines ganzen Schaffens"44 erlangt. Bezeichnend für den Wandel in der Kunst zum Jugendstiel war wohl, dass diese Skulptur erst nach dem I. Weltkrieg 1920 der Öffentlichkeit im Schillerhain in Berlin zugänglich wurde. Noch heute ist die "Ringergruppe" im Volkspark Rehberge zu sehen.
    Dem sakralen Schaffen Haverkamps verdankt seine´ Pfarrkirche, die katholische Marien-Kirche in Berlin-Friedenau, eine lebensgroße Pietá. "Die Mutter hat die Hände ihres Sohnes gefasst und hält sie empor, als wollte sie sagen: "Seht, sie sind durchbohrt! Seht, so haben sie ihn zugerichtet, der euch alle so sehr liebte"45. In der gleichen Kirche, quasi als Gegensatz hierzu, thront eine, von ihm geschaffene und von den Schwiegereltern gestiftete, lebensgroße Madonna mit dem Jesuskind, "an der der sinnende, innerlich bewegte Ausdruck der Mutter und das herzlich, naive Lächeln des Christuskindes … besonders anziehend wirken".46


    Lehrtätigkeit und Auszeichnungen

    Wilhelm Haverkamp beschreibt am 5.4.1916 handschriftlich seine berufliche Stellung für die "Personalnachrichten für das Archiv der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin": "Lehrer der Fachklasse für figürliches Modellieren (Aktklasse) an der Unterrichtsanstalt des Königlichen Kunstgewerbe Museums zu Berlin, seit October 190147, mit dem Titel eines Königlich, preußischen Professors."48 Er war von 1901-1924 als Lehrer und seit 1903 Professor am "Staatlichen Kunstgewerbemuseum" in Berlin tätig49. Dort lehrte er "Figürliches Gestalten" und "Dekorative Plastik". Es gehörte zu seinem Aufgabengebiet neben den Vorlesungen, vor allem der praktische Unterricht im Atelier mit seinen Studenten.
    Haverkamp, der zum Historismus50 zu zählen ist, war jedoch nicht nur ein "bildender" Künstler, sondern hat auch gemalt. Seine Bilder werden noch heute auf Auktionen versteigert.51 In diesen Bildern wird auch die romantische Darstellungskunst des Künstlers deutlich.
    Von seinen vielen Schülerinnen und Schülern haben sich später, Heinrich Splieth (1877-1929), Gustav Anton Wallat (1882-1911), Wilhelm Kruse (1887- + unbek.) und Renée Sintens (1888-1965) einen Namen gemacht.52

    Haverkamp erwarb zahlreiche Auszeichnungen:
    • 1898 Herzoglich Anhaltinischer Hausorden für Kunst und Wissenschaft in Gold
    • 1901 Goldene Medaille für Kunst, Berlin
    • Königlich Preußischer Kronenorden III. Klasse
    • Königlich Preußischer Roter Adlerorden III. Klasse mit der Schleife
    • 1909 Goldene Medaille, München
    • 1913 Mitglied der Preußischen Landeskunst-Kommission
    • 1913 Die Große goldene Medaille, Berlin
    • 1914 Berufung zum ordentlichen Mitglied der Preußischen Akademie der Künste53


    Wilhelm Haverkamp und das Münsterland

    Für seine westfälische Heimat schuf er das "Kaiser-Wilhelm I" -Denkmal zusammen mit dem Kriegerdenkmal (1899) in Coesfeld. In St. Georg in Dülmen-Hiddingsel steht die Gruppe "Josef mit Jesus als Zimmermann". Eine vielfältige, im Krieg leider zerstörte Innenausstattung für St. Otger in Stadtlohn (1899-1908) und ein im II. Weltkrieg eingeschmolzenes Kriegerdenkmal für Lüdinghausen (1907) sind nicht mehr vorhanden. Im Martinistift in Nottuln-Appelhülsen existieren zwei Holzreliefs "Hochzeit zu Kanaan". Den im Krieg zerstörten "Lehrenden Christus" für das Priesterseminar Borromäum in Münster (1914) und die erhalten gebliebenen acht Portalfiguren für die Stadtkirche mit der "Krönung Marien" in Warendorf (1914). Je einen Kriegergedächtnisaltar für St. Antonius (1916), die Kreuzkirche (1919) und St. Lamberti (1922) in Münster sowie ein Kriegerdenkmal St. Michael (1922) in Münster-Albachten.
    In Senden finden wir neben dem Grabmal (1921) noch die Pietá in St. Laurentius (1919) und das Kriegerdenkmal. Letzteres wurde am 29.August 1909, verbunden mit einer Sedanfeier, enthüllt. "Das Denkmal54 stellt ein vom hl. Michael beschütztes Heldengrab dar; es hat - ausschließlich der Fundamente und sonstigen zugehörigen Anlagen - dank des großen Entgegenkommens seines Schöpfers einen Kostenaufwand von nur 6000 Mark erfordert."55 Dieses, an fünf Sendener in den Befreiungskriegen gefallene Soldaten erinnernde Kriegerdenkmal, konnte 1942 auf Grund des massiven Einsatzes der Sendener Bürger und der Unterstützung des Widerspruchs beim zuständigen Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volkskunde durch den Sendener Heinrich Sennekamp, der damals in einem Berliner Ministerium arbeitete, vor dem Einschmelzen gerettet werden.56 1958 wurde das Denkmal für 16.000 DM erweitert. Auf 16, der im Halbkreis hinter dem Ehrenmal angeordneten schwarzen Marmortafeln, sind die Namen der 234 Gefallenen, 66 Vermissten und 11 an den Kriegsfolgen gestorbenen Sendenern beider Weltkriege zu lesen.57
    Obwohl er ein hoch dekorierter und angesehener Künstler war, blieb der gebürtige Sendener und Volksschüler aus Capelle der vornehme biedere Münsterländer. Er besuchte Senden regelmäßig und fand in der "Münsterländischen Parklandschaft" Erholung und Inspiration für sein künstlerisches Schaffen. Seine Dankbarkeit gegenüber seiner Familie drückte sich nicht zuletzt dadurch aus, dass er zusammen mit seinen Brüdern, seinen Eltern 1913 eine prächtige Goldene Hochzeitsfeier in Senden ausrichten ließ. "Er blieb ein Mensch von großer Herzensbildung und Güte", war zum Andenken an seinen 80. Geburtstag 1944 in der Zeitung in Münster zu lesen.58
    Wilhelm Haverkamp lebte mit den Söhnen Otto und Helmut in der Schwalbacherstraße in einer Villa in Berlin-Friedenau.59 Er starb dort, zurückgezogen von jeder künstlerischen Tätigkeit am 13. Januar 192960 an einem Herzleiden61. Er wurde am 19.1.1929 auf dem St. Laurentius Friedhof seines Geburtsortes Senden neben seiner Frau, die am 18. März 1918 verstorben war, beigesetzt. Für seine Frau und sich hatte er 1921 eigenhändig ein stattliches Grabmal aus "Neunkirchener Muschelkalk" geschaffen. Leider hat die Witterung dieses Zeugnis Haverkamp´scher Kunst stark in Mitleidenschaft gezogen. Doch der Anblick lässt noch heute die klassische Ausgewogenheit der Proportionen empfinden. Im Giebelfeld das griechische Kreuz wie ein strahlendes Siegel, als ob es die Gewissheit der ewigen Herrlichkeit besiegeln sollte.62 Auf Seiten der Frau ist neben dem Kreuz eine Rose mit zwei Knospen, die seine Frau und die Tochter symbolisieren, zu erkennen. Auf der gegenüberliegenden Seite ist ein Eichenzweig mit drei Eicheln abgebildet, die ihn und die beiden Söhne versinnbildlichen. Das aufgeschlagene "Buch des Lebens" mit den Namen der Eheleute, wird von zwei Engeln flankierend gehalten.
    Neben seinen Kunstwerken, erinnern heute zwei Straßen in Senden und Capelle an den großen Sohn dieser beiden münsterländischen Gemeinden.63


    Wilhelm Haverkamp gestern und heute

    Wilhelm Haverkamp war ein großer und vielseitiger Künstler seiner Zeit, der in allen Stilrichtungen des Historismus, des Jugendstils und des beginnenden Expressionismus gearbeitet hat. Zeugnisse seines Schaffens sind noch heute in vielen Regionen Deutschlands zu sehen.64 Dennoch fehlt bis heute ein vollständiges Werkverzeichnis und eine monographische kritische Würdigung seines Schaffens.
    Der Verfasser hat bereits über 100 Werke dokumentarisch erfasst65 und er erhofft sich, dass mit diesem Artikel ein Anstoß zur Vervollständigung des umfangreichen Lebenswerkes von Wilhelm Haverkamp erfolgen kann.66

    1. Kirchenbuch Senden Nr. 12, S.111, Bistumsarchiv MS
    2. August Stähler, "Herausragende Sendener Künstler..", WN 24.3.1989
    3. Heinrich Herold "Heimat-Kalender 1927 - Kreis Lüdinghausen, S. 18-22
    4. Heinrich Herold (Anm. 3)
    5. Dr. Johannes Tschiedel, Westermanns Monatshefte, 67. Jg., 1922, S. 231-243
    6. "Capelle, Gemeinde Nordkirchen in Bildern und Worten damals und heute". hrsg. Heimatverein Nordkirchen 1992
    7. Walter Werland : "Ein Sohn des Münsterlandes:…" Münstersche Zeitung, 12.1.1974
    8. Walter Werland (Anm. 7)
    9. Dr. Johannes Tschiedel (Anm. 5), S. 232
    10. Leider ist eine Abbildung dieser Skulptur nicht mehr vorhanden
    11. Dr. Johannes Tschiedel (Anm. 5), S. 234
    12. Heinrich Herold (Anm. 3), S.19
    13. Dr. Johannes Tschiedel (Anm. 5), S. 235
    14. Personalnachrichten für das Archiv der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin
    15. August Stähler (Anm. 2)
    16. Heinrich Herold (Anm. 3), S.20
    17. Archiv HV Senden
    18. Walter Werland (Anm.7)
    19. Personalnachrichten (Anm. 14)
    20. Auszug aus "Aufgebote und Getraute, 1892", KG St. Laurentius, Senden. Auf dem Grabstein steht. " Frau Professor Haverkamp geb. Margarethe Ferlmann-Bringelmann, Cincinnati, Nord-Amerika
    21. Hildegard Schubert, Brief v. 24.11.1992 (Sie war Klavierschülerin v. H. Haverkamp in Berlin)
    22. "Bau und Kunstdenkmale von Westfalen" (BKW), Bd. 50, Stadt Minden, Teil I. 2, S.932
    23. Internet Wikipedia: "Johannes Otzen"
    24. Angela Beeskow "Die Ausstattung in den Kirchen des Berliner Kirchenbauvereins (1890-1904)" S. 77ff. "Die Gestalt des Altars wurde in der Regel vom Architekten festgelegt,…so "für die Luther- und Georgenkirche..."
    25. Architekt ist Eugen Fritsche, ein Schüler von J. Otzen
    26. www.tagesspiegel.de/tso/aktuell
    27. Bild 1: Kommunalarchiv Minden, Bildsammlung, A I 107
    28. "Bau und Kunstdenkmale von Westfalen" (BKW), Bd. 50, Stadt Minden, Teil I. 2, S. 929-932
    29. Homepage von Berlin-Friedenau
    30. Archiv der Stadt Minden
    31. Mindener Zeitung v. 18.Juni 1901
    32. "BKW", Bd. 50, Stadt Minden, Teil I. 2, S. 929-932
    33. Walter Werland (Anm. 7)
    34. Nordsiek, "Kaiserwetter" 1991, S. 113f.
    35. Heinrich Herold (Anm. 3), S. 21
    36. Heinrich Herold (Anm. 3), S. 21
    37. Baedeckers Berlin und Umgebung 1927, s. 170
    38. Dr. Johannes Tschiedel (Anm. 5), S. 241
    39. Berliner Tageblatt v. 2.2.1903, S. 3
    40. Heinrich Herold (Anm. 3), S. 21
    41. Dr. Johannes Tschiedel (Anm. 5) S. 243
    42. Walter Werland (Anm.7)
    43. Heinrich Herold (Anm. 3), S. 21
    44. Dr. Johannes Tschiedel (Anm. 5), S. 242
    45. Heinrich Herold, (Anm. 3),S. 22
    46. Dr. Johannes Tschiedel (Anm. 5), S. 243
    47. UdK, Berlin "Jahresberichte der Unterrichtsanstalt, Berlin, Schuljahr 1901/02, "Wechsel im Lehrkörper 1901 Bildhauer W. Haverkamp für den ausgeschiedenen Prof. Ludwig Manzel"j
    48. Personalnachrichten (Anm. 14)
    49. UdK, Berlin (Anm. 46) Schuljahr 1902/03 "Bildhauer Haverkamp wurde durch Patent v. 11.7.1903 der Professorentitel verliehen"
    50. Perter Bloch/Wademar Gzimek: "Das klassische Berlin", Berlin 1994. Hier wir H. der Stilrichtung "Neobarock" zugeordnet
    51. www.antik-bergemann.de/Gemalde/Maria/maria.html
    52. Thieme-Becker: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler, Leipzig 1928
    53. Personalnachrichten (Anm. 14)
    54. W. Haverkamp, Brief i.A. des Vaters an den Amtmann von Senden vom 17.11.08 schreibt vom Renaissancestil
    55. Urkunde vom 15.8.1909
    56. Archiv HV Senden: Brief des Regierungspräsidenten v. 29.6.1942 an den Landrat in Lüdinghausen
    57. GA Senden, Klaus Gilleßen: Vermerk vom August 1984
    58. Archiv Heimatverein Senden
    59. Hildegard Schubert (Anm. 21)
    60. Auszug aus "Gestorbene 1929", KG St. Laurentius, Senden
    61. Kirchbuch Senden
    62. August Stähler (Anm. 2)
    63. Ruhr-Nachrichten 29.2.1964 und Hildegard Schubert (Anm. 21)
    64. mit Ausnahme von Rom und USA
    65. Dank der Familie Schüers, die dem HV Senden viele Fotos überlassen hat
    66. Für weiter Hinweise und Ergänzungen ist der Verfasser unter der E-Mail Adresse bausch.ruh-senden@t-online.de zu erreichen.

    ©Rüdiger Bausch


Wilhelm Haverkamp - Werkübersicht

(Werke von 1877-1900, weitere Werke / Bilder (1900-1929) folgen in Kürze)

Datier-
ung
Name des Werkes
(+= Datum am Werk)
(#= Datumsangabe)
Art/Material, Standort
[ergänzende Hinweise]
(Quelle)
1877
Tonfigur (#)

Gruppe, Ton, Privatbesitz
[Erstes erhalten gebliebenes Werk W. Haverkamp]

1883
"Rotkäppchengruppe"(#)

Skulptur
[Wettbewerbsarbeit für das Studium in Berlin der Stadt Münster]
(Foto: FAR)

1887
"Grabmal" (#)

Stein, großer trauernder Engel vor dem Grabstein
(Foto: FAR)

1889
"Gang zum Hades" (#)

Relief "Hermes führt dem Charon die Seelen der Verstorbenen zu", Berlin
[Großer Staatspreis, Studienstipendium für Romaufenthalt 1891-92]
(Foto: FAR)

1889

"Siegfried" (#)

Skulptur, lebensgroß, Werkstatt F. Schaper, Berlin
[sollte eigentlich als Bewerbung für das Romstipendium dienen, wurde aber nicht rechtzeitig fertig]
(J. Tschiedel)

1891
"Bocksprung" (#)

Skulptur, Bronze, 53 cm hoch, patiniert, Rom Privatbesitz
[Satyr springt über bockbeinigen Faun, Sig. No. 2144 Bocksprung 53 cm hoch ( Gießerei Gladenbeck)]
(Foto: FAR)

1891
"Knabengruppe auf korinthischen Kapitel" (#)

Skulptur, Marmor, Empfangshalle Villa Huffero, Rom
[im Auftrag von Wilhelm Hüffer; Atelieraufnahme in der Villa Strohl-Fern, Rom, mit Prof. W. Haverkamp]
(Foto: FAR, 18.05.1891)

1891
"betende Mutter von San Agostino zu Rom" (#)

Skulptur, Rom
[Sig. v. W.H. Die "Betende Mutter von San Agostino zu Rom" von Wilhelm Haverkamp 1981, Rom, Villa Strohl-Fern, Rom 1891]
(Foto: FAR)

1892
Evangelist, "Lucas" (+)

Skulptur, Stein Lutherkirche (1891-94), B-Friedenau.
[Grundstein.: 18.4.1891 Einweihung.: 5.5.1894; Sig. W.H.: "Skizze zu dem Evangelisten Lucas 1892 Luther-Kirche in Berlin"]
(Quelle: FAH)

1893
"Lucas" (#)


"Johannes"(#)

Steinfiguren der Evangelisten in der Ev. Ringkirche (1892-94) Wiesbaden
[Architekt: Johannes Otzen (1834-1911)]
(Quelle: Homepage Ringkirche, Pfr. Gmelin)

18xx

"Josef mit Jesus"

(Foto: FAH)

19xx
Abendmahl

Relief
(Foto: FAH)

19xx

"Hl. Elisabeth v. Thüringen" "Frau mit Hirsch"

Skulpturen
[Elisabeth mit dem Rosenwunder, Atelieraufnahmen]
(Foto: FAH)

19xx
Stifter einer Kirche

Skulpturen: "Ritter mit Kirche" und "Mönch mit Bibel und Kreuzesstab"
[eventuell St. Ludger]
(Foto: FAH)

1911
"Hochzeit zu Kanaan"

2 Holzreliefs, im Treppenhaus, Martini-Stift, Nottuln-Appelhülsen
[Brotvermehrungr" und "Weinvermehrungr"]
(Foto: FAH)

19xx

"Thronende Gottesmutter mit Jesuskind"

Altarrelief St. Antonius, Münster
[im Krieg zerstört]
(Joh. Tschiedel)

xxxx

Plaketten

Erinnerungsplakette zur Kieler Woche
[Auftrag von Wilhelm II]
(J. Tschiedel, S.240)

xxxx

 

"Kreuzigungsgruppe" Friedhof d. St. Sebastiansgemeinde, Berlin
(J. Tschiedel, S.241)

xxxx
"Thronende Madonna mit dem Jesuskind"

Kleine bemalte Holzskulptur Familienbesitz, Berg.-Gladbach
[Auftrag von Wilhelm II]
(FAB)

xxxx

"Dr. K"

Bildnisbüste
(Joh. Tschiedel S. 243)

xxxx

"Giebelskizze"

Für die Schule des Kunstgewerbemuseums, Berlin
(Joh. Tschiedel S. 243)

xxxx

"Hl. Reinhold"

Überlebensgroße Kupferstatue in einem Verwaltungsgebäude, Dortmund
(Ernst Scharlau)

xxxx
"Kaiser Wilhelm I"

großes Reiterstandbild
[Atelieraufnahme]
(Foto: FAH)


Für weiter Hinweise und Ergänzungen ist der Verfasser unter der E-Mail Adresse bausch.ruh-senden@t-online.de zu erreichen.
©Rüdiger Bausch





    Paul Mersmann 30 Jahre tot


    Der Künstler Paul Mersmann wurde am 30. Oktober 1903 in Münster geboren und starb in Senden am 10. März 1975.
    Seine künstlerische Begabung hat er wohl von seinem Vater geerbt, der Kunstschmied war und mit der Ehrenbezeichnung "päpstlicher Hofkunstgießer" ausgezeichnet wurde.
    Im väterlichen Betrieb A.W. Falger in Münster lernte der junge Paul das Bildhauerhandwerk und wagte seine ersten künstlerischen Experimente.
    Ab 1918 besuchte er die Kunstgewerbeschule in Münster und absolvierte ein Volontariat in Regensburg.1920 kehrte er zwar nach Münster zurück, doch er wollte erst einmal die Welt der Kunst mit eigenen Augen erobern. So arbeitete er erst unter Prof. Kisch in Budapest und segelte anschließend mit seinem Freund in einem Klepper Faltsegelboot bis nach Istanbul. Er besuchte auf dieser Reise die Städte und Dörfer an den Küsten Griechenlands, Kretas und Kleinasiens. Hier kam er mit der antiken Kultur der Griechen ständig in Berührung und so wird klar, warum in seinem künstlerischen Schaffen die griechische Mythologie eine so bedeutende Rolle spielen sollte.
    Nach diesen ersten praktischen und theoretischen Studien kehrte er 1924 nach Münster zurück und arbeitete wieder im väterlichen Betrieb.
    1928 besuchte er die Kunstakademie in Berlin und lernte bei den Professoren Gies und Roemisch. 1931 machte sich dann Paul Mersmann selbstständig und wurde freischaffender Künstler in Berlin.
    Im II. Weltkrieg wurde er Dienstverpflichteter und versuchte sich nach dem Krieg wieder als Künstler in Berlin. Doch 1950 kehrte er zurück nach Münster und eröffnete ein Atelier in der Breiten Gasse. Diese Station war nicht von langer Dauer. Schon im gleichen Jahr zog er um nach Sprakel bei Münster und arbeitete dort bis 1967.
    Haus Roennebrink
    Abb:Wohnhaus in Senden mit Amazone
    Das 1780 erbaute Ackerbürgerhaus "Ronnebrink" in Senden erwarb er bereits 1959, doch erst 1967 zog er in dieses heute unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus ein. Er lebet und arbeitete dort bis zu seinem Tode 1975. Während seines Schaffens in Senden hat er aus dem kleinen Haus ein Kleinod gemacht. Das Badezimmer zeigt Senden früher und zu Beginn der siebziger Jahre in Mosaikbildern. Am 10. März 1975 wurde Paul Mersmann auf dem St. Laurentius Friedhof in Senden beigesetzt. Sein Grab schmückt ein selbst entworfenes Grabmal.




    Auszug seines künstlerischen Schaffens:
    profane Kunst
    • eine 11m lange und 8m hohe Stierplastik auf dem Albin-Platz in Berlin aus den 30er Jahren.

    • Die Mosaiksäulen mit Eisenbahnmotiven in der Eingangshalle der ehemaligen Bundesbahndirektion in Münster aus den 50er Jahren

    • Eine wunderschöne Brunnenanlage in Heesseen

    • Eine moderne Tierplastik vor dem landwirtschaftlichen Institut in Münster

    • Eine große Mosaikplastik "Widder" beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt

    • Eine "Frosch-König-Darstellung" am Altenheim am Hohenzollernring in Münster

    • Sie Säulen im Stadtbad in Münster

    • Der "Charon auf dem Höllenhund über den Hades" steht im Garten des Hauses in Senden. Diese Skulptur hat auch eine persönliche Beziehung zum Leben von Paul Mersmann, weil er sehr früh seinen Sohn Robert verlor. Die Jungenskulptur zwischen den Beinen von Charon und die Frau am Beckenrand, die aus dem Becher des Vergessens trinkt, erinnert an diesen Schicksalsschlag.

    • Die "Frau im Spiegel", die so etwas wie eine Wahrsagerin darstellen soll.

    • Die reitende Amazone vor dem Wohnhaus in Senden. Sie entstand während er Sprakeler Zeit und wurde dann per LKW nach Senden transportiert. Dies reif bei vielen Menschen am Wegesrand großes Erstaunen und teilweise auch Erheiterung hervor. Wer hatte schon einmal einen so ungewöhnliche Trasport beobachtet?



    sakrale Kunst Skulptur
    • Eine eigenwillige expressive Kreuzigungsgruppe aus uralten Holzknubben aus dem Jahre 1966 für die Kirchengemeinde Brilon. Der auftraggebende Pastor wurde während der Herstellung versetzt und er Nachfolger holte die Skulptur nicht mehr ab. So steht sie noch heute im Garten des Wohnhauses in Senden.

    • In Silber getrieben Tabernakel. So für die Kirchengemeinde Greven, Heiden, Stadtlohn und die Krankenhauskapelle Altenberge.

    • Sein eigenes Grabmal auf den St. Laurentiusfriedhof in Senden.



    ©Rüdiger Bausch